Der allgemeine Gesundheitswahn hat das Denkvermögen weggespült
Erinnert sei an einen Artikel über Thesen von Dr. med. Jörg Gölz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin, im Schleswig Holsteinischen Ärzteblatt – bereits im August 2006 erschienen, Ausgabe 8/2006, S. 35: http://www.aeksh.de/shae_alt/2006/200608/h068035a.html
Daraus
... Suchtmediziner behandeln ein diskriminiertes und stigmatisiertes Klientel – seien es Alkoholiker, Raucher oder Konsumenten illegaler Drogen. Suchtmedizin hat daher auch immer gegen Diskriminierung von Menschen mit bestimmten Erkrankungen vorzugehen. Dieser Schutz muß jetzt auch Rauchern gewährt werden! Ich habe etwas gegen die Stigmatisierung der Raucher. Keinesfalls will ich die Gefahren des Rauchens klein reden, schließlich bin ich Arzt, aber das, was da passiert, treibt mich auf die Palme! ...
... Jede Kampagne gegen süchtiges Verhalten entwickelt wegen ihrer Erfolglosigkeit die gleiche Maß- und Grenzenlosigkeit, die der Sucht zu eigen ist. Und: Es gibt kein Mittel, die Sucht aus der Welt zu schaffen! ...
... Die Kränkung, die das Scheitern dieser Utopien mit sich bringt, verwandelt sich in Wut auf die Raucher, die einfach nicht bei der schönen gesunden Welt mitmachen wollen ...
... Um die Menschen gegen das Rauchen zu mobilisieren, wird es mit einem magischen Bannspruch versehen: Das Rauchen verursacht angeblich mehr Todesfälle als Aids, Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Morde und Suizide zusammen. Dass dies alles nicht vergleichbar ist, stört die Aktivisten nicht. Eine exakte Zahl gibt es nämlich nicht. ... Diese Form von Vergleichen sei wissenschaftlich durch nichts gerechtfertigt. Nach den Worten von Jörg Gölz dienen sie der Stimmungsmache und sind ein Instrument zur Stigmatisierung der Raucher. ...
„Der allgemeine Gesundheitswahn hat das Denkvermögen weggespült“, sagt Gölz und fügt hinzu: „Betrachten Sie die Manipulationsmöglichkeiten. Sie können ebenso behaupten, dass 90 Prozent aller Raucher keinen Lungenkrebs bekommen, so wie 90 Prozent aller Krebsfälle bei Männern durch das Rauchen entstehen. Was davon stimmt, lässt sich nicht eindeutig nachweisen. Nachweisbar aber ist, dass die allgemeine Lebenserwartung immer weiter gestiegen ist!“ V... Bösartige Neubildungen treten ebenfalls nach dem 70. Lebensjahr gehäuft auf - aber sonst? Keine Zahlen, keine Beweise: „Es geht hier nicht mehr um die Gesundheit, es geht um die Lust am Verbieten, es geht um Angstmache und darum, den Menschen die (Lebens-)Lust zu nehmen!“, wettert Jörg Gölz. Nehmen wir nur die Todesfälle in Deutschland, die sich (angeblich) einwandfrei auf das Rauchen zurückführen lassen: 90 000, das sind 1,1 Prozent der Bevölkerung (bei rund 25 Millionen Rauchern). Am Passivrauchen sterben angeblich 3 300, das entspricht 0,004 Prozent. „Da kann niemand von einwandfreier Datenlage sprechen.
... Die Quellen der Verbote sind metaphysischer Art! ...
... Zudem werde jedes Verhalten, das sich nicht allein von Gesundheit leiten lasse, als mörderisch eingeordnet. ...
... Raucher als gefährlichste Feinde der Gesellschaft stigmatisiert werden. Gesundheit wird zu einem parareligiösen Wert in einer säkularen Welt - und dagegen wende ich mich vehement!“ Eine Zeitstimmung, so der Arzt aus Berlin, die Gesundheit und Fitness zu parareligiösen Werten stilisiert, werde niemanden dulden, der für bestimmte Genüsse eine kürzere Lebenszeit in Kauf nehme.
Wer sich dennoch selbstbestimmt verhalten möchte, dem oder der empfiehlt Jörg Gölz, sie müssten „jetzt selbst dafür sorgen, dass ihr Leben als Raucher nicht über den Nichtraucherschutz hinaus eingeschränkt wird“.