--> zurück zur TKB-Homepage

Tabaksmuseum Vierraden (aus "smokersnews")

#1 von nilst , 03.05.2011 08:10

Die Uckermark gedenkt dem Tabak

Tabakmuseum Vierraden bei Schwedt erinnert an bewegte Zeiten rund um das Kulturgut Tabak

(red) Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen - das wollte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688), als er ab 1685 Hugenotten aus Frankreich ins Land holte. Zum einen sollten die protestantischen Glaubensflüchtlinge das menschenarme Preußen-Brandenburg "aufsiedeln". Denn nach wie vor hatte man noch lange nicht die verheerenden Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges überwunden. Außerdem hoffte der Große Kurfürst, dass seine neuen Landeskinder qualifizierte Handwerker oder Manufaktur-Arbeiter sein würden. Dazu zählte er auch Bauern, selbst adlige Landwirte. Hauptsache, sie hatten neue Obst- und Gemüsearten im Gepäck. Oder - wie im speziellen Fall - das Geschick für Tabak-Anbau.

Der Große Kurfürst ließ sich nicht von der Erkenntnis des Schriftstellers Christoffel von Grimmelshausen abschrecken: "Teils saufen sie den Tabak, andere fressen ihn, und von etlichen wird er geschnupft, also dass es mich wundert, warum ich noch keinen gefunden, der ihn auch in die Ohren steckt." Allerdings wusste Grimmelshausen auch: "Ich habe ihn essen, trinken und schnupfen sehen durch alle Stände, von Fürsten an bis auf die Bettler, vom Bischof bis auf den Bader ... Er nutzt ja dem Bauern, der ihn zihet, demjenigen, der ihm spinet (als Spinnen bezeichnete man die Tabakverarbeitung - Anm. des Autors), dem Fuhrmann, der ihn über Land bringt und dem Kaufmann oder Krämer, der ihn schachert."

Um 1700 wurden in Brandenburg etwa 350 Hugenotten gezählt, die die neue Pflanze anbauten. Ein erster kurfürstlicher Versuch war zuvor fehlgeschlagen. Den beiden Juden David und Hartmann Daniel hatte man auf zwölf Jahre das Privileg erteilt, Tabak zu pflanzen, zu verarbeiten und zu verkaufen. Ein Privileg, das ihnen nach zwei Jahren wieder entzogen wurde.

In der Uckermark kümmerte sich Kurfürstin Dorothea (1636-1689) um den Tabak. Sie hoffte, damit in ihrer Herrschaft Schwedt-Vierraden den wirtschaftlichen Aufschwung zu fördern. Ihr Agent fand in Holland einen Spezialisten und so kam 1686 Cornelius van Couverden nach Schwedt. Im März wurde zum ersten Mal ausgesät. Wie allen anderen Neu-Brandenburgern wird dem Holländer Mietfreiheit eingeräumt, werden ihm 160 Taler ausgezahlt. Das Ergebnis seiner Bemühungen ist mager, so dass Couverden nach zwei Jahren die Uckermark verlässt. Für das Schwedter Gebiet hat der langjährige Museums-Chef Lutz Libert herausgefunden, dass zwischen 1686 und 1697 Einnahmen von 3887 Talern Ausgaben von 3248 Talern gegenüberstehen - kein üppiger Gewinn.

Dass mit dem Tabak auch Geld zu machen war, zeigten jedoch die folgenden 250 Jahre: Die ersten Tabakbauern aus Nordfrankreich ließen sich noch 1886 in den uckermärkischen Dörfern Groß- und Klein-Ziethen nieder. 1689 dann auch in Vierraden und Schwedt. Überdies kommen aus der Mannheimer Gegend Landwirte. Überliefert sind die Namen Lorenz Meermann und Martin Jänicke.

Im 18. Jahrhundert machte König Friedrich II. (1712-1786) Tabak zur "Chefsache" und erließ ein staatliches Monopol. Um das Gesetz durchzusetzen, wurde eine Spezial-Polizei mit 600 Mann gebildet. Das muss nicht verwundern, denn allein durch die Verpachtung des Tabak-Privilegs kamen eineinhalb Millionen Taler in die chronisch klamme Kasse.

Im östlichen Brandenburg bildeten sich drei große Anbau-Gebiete heraus: Schwedt-Vierraden-Gartz, Strasburg-Löcknitz und Wriezen-Seelow. Dort findet man fast überall in den Oderland-Dörfern noch Tabak-Speicher oder -Scheunen. Gelagert und getrocknet wurde Tabak auch auf den Dachböden von Kirchen wie in Casekow und Kunow, in Petershagen und Wartin. In Stolpe kam es 1833 deshalb zu einem ernsthaften Krach zwischen Bauern und dem Ritterguts-Besitzer. Freiherr von Buch war nämlich auch Kirchenpatron und hatte in Sachen Nutzung des Gotteshauses das alleinige Sagen. Offenbar widersprach die Verwendung der Kirche als Trockenboden seinen Vorstellungen von Religion.

Unter Kaiser Wilhelms (1797-1888) Regentschaft ging die Bedeutung des Tabakanbaus in der Uckermark spürbar zurück. Andere Kulturen brachten mehr ein - Kartoffeln, Rüben und Roggen. Doch noch um 1900 wurde auf reichlich 3000 Hektar Tabak angebaut. Heute gedeiht er gerade einmal auf reichlich 75 Hektar.

Uckermärkischer Tabak hat auch heute noch eine Adresse: das Tabakmuseum Vierraden bei Schwedt. Das Tabakmuseum Vierraden ist dienstags bis donnerstags von 10 bis 16 Uhr, an Wochenenden von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Neben der ständigen Ausstellung wird am 15. Mai um 14 Uhr eine Sonderausstellung über Kräuter eröffnet.

Am 20. August wird in Vierraden das Tabakblütenfest gefeiert.

Angefügte Bilder:
vierraden.jpg  
 
nilst
Beiträge: 1.414
Registriert am: 17.07.2009

zuletzt bearbeitet 03.05.2011 | Top

RE: Tabaksmuseum Vierraden (aus "smokersnews")

#2 von jorast , 21.08.2011 21:17

Und mehr Bilder unter http://www.vdp-ost.de


 
jorast
Beiträge: 141
Registriert am: 18.08.2009


   

Intertabac (Dortmund) 2011: 23.-25. September 2011
Buch: "Das grosse Buch der Raucher"

Xobor Xobor Forum Software
Einfach ein eigenes Forum erstellen